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Quebec hat getagt.
Jeder interessierte Dresdner kennt nun die Entscheidung der
UNESCO-Welterbe-Kommission. Es ist wohl eine sehr weise Entscheidung
gewesen, Dresden beides zu belassen: den Welterbetitel und die
Entscheidung, wie damit umzugehen. Das Elbtal bleibt einerseits auf
der Welterbeliste und andererseits kann sich Dresden nun im wahrsten
Sinne des Wortes mit dem Weiterbau der Brücke den Titel selbst
abgraben. Ob es sich damit langfristig auch das eigene Wasser selbst
abgräbt, kann momentan niemand mit Bestimmtheit sagen.
Die designierte Oberbürgermeisterin
Dresdens, Helma Orosz (CDU), kritisierte den Quebecer Beschluss
erwartungsgemäß. Was hätte sie auch sonst tun sollen? Noch Anfang
Mai 2008 leuchtete dem MorgenPost-lesenden Dresdner ein Artikel mit
der Überschrift «Orosz: Schneller Brückenbau bringt Dresden den
Frieden» ins Auge (MoPo-DD, 7.5.2008, S. 5). Schon Georg Milbradt
(CDU), der mittlerweile ehemalige Ministerpräsident Sachsens, soll
im November 2007 nach der Entscheidung des Bautzener
Oberverwaltungsgerichtes, dass der Bürgerentscheid vom Februar 2005
zu Gunsten der Brücke durchgesetzt werden muss, gemeint haben: «Ich
hoffe, dass jetzt insgesamt wieder Frieden einkehrt.» Er sprach von
einem «friedenstiftenden Signal». „König Georg“ ging dann ein halbes
Jahr später auch recht friedlich.
Es ist so eine Sache mit dem Frieden.
Die meisten verbinden mit diesem Wort wohl eher „Ruhe haben“. Diese
kann bekanntlich auch recht trügerisch sein. Vielleicht braucht
Dresden genau diese verbalen globalen Auseinandersetzungen, um von
der dörflichen Weltstadt zum globalen Dorf zu werden? Apropos,
„global“. Vielleicht informiert Friedensbotschafterin Helma Orosz
die Brückenbefürworter demnächst auch davon, dass diverse
Rohstoffpreise innerhalb eines Jahres um fast 100% gestiegen
sind, u.a. Stahl. Insbesondere die sog.
BRIC-Staaten schlafen nicht. Mittlerweile spielt es eben doch
eine Rolle, wenn in China der sprichwörtliche Sack Reis umfällt. Ein
Ende der Preisanstiege jedenfalls ist kaum in Sicht, höchstens das
der Rohstoffvorkommen.
Sehr gut vorstellbar, dass der neue
König Sachsens, „König Stanislaw“, und die Gräfin Dresdens, „Gräfin
Helma“, am Brückenbau festhalten werden und nächstes Jahr vor einem
halbfertigen Bauwerk stehen; vielleicht sogar in der „naturkatastrophischen“
Atmosphäre eines Frühjahrshochwassers. Dann hätte Dresden
wenigstens ein neues Friedensdenkmal und Teile der ehemaligen
Gegner des Aufbaus der Frauenkirche ein neues Domizil. Dort könnte
sie sich dann auch mit denjenigen Naturfreunden treffen, die den
Verlust eines Großteils der Elbauen bedauern. Und schließlich kämen
dann noch die Dresdner hinzu, die traurig sind, dass soviel Geld
umsonst ausgegeben worden ist. Den Anfang für dieses Treffen von
wahrscheinlich ungefähr 500.000 DresdnerInnen machten Anfang Juni
übrigens die Campingfreunde des
Paradies-Experiments. Damit sich die verbalen
Auseinandersetzungen friedlich und versöhnlich auflösen können, wäre
vielleicht ebenso ein vorausschauender Blick ins indische Mumbai
(früher Bombay) ganz hilfreich. Dort treffen sich früh morgens
einige Hunderte oder Tausende Menschen in öffentlichen Parks und
üben sich zusammen im
Lach-Yoga.
In diesem Sinne, ganz gleich, was
innerhalb der nächsten 12 Monate in Dresden auch passieren wird:
Humor sollte unser steter Begleiter werden. |




Fotos: M. Winkler,
Elbtal am Waldschlösschen,
2. Juli 2008 |